short ugg boots Für eine bunte Pflege

In Deutschland gibt es mittlerweile zwei Pflegeeinrichtungen, die als Qualitätssiegel den Regenbogenschlüssel tragen. Beide sind in Frankfurt. Das Julie Roger Haus und das Sozial und Rehazentrum West. Der Regenbogenschlüssel wird vom niederländischen Konsortium Roze 50+“ verliehen und signalisiert, dass diese Einrichtungen sich besonders um Belange älterer Homosexueller kümmern.

Das Julie Roger Haus und das Sozial und Rehazentrum West sind die ersten beiden Einrichtungen in Deutschland, die mit einem Regenbogenschlüssel ausgezeichnet wurden. Und beide in Frankfurt. Was glauben Sie, warum diese beiden die Einzigen sind?

Diese Frage sollten Sie eigentlich den Einrichtungen stellen, die bisher nicht zertifiziert sind. Ich kann Ihnen nur sagen, dass es für uns wichtig war und ist, deutlich Position pro LGBTI zu beziehen.

Der Frankfurter Verband ist schon lange Mitglied der Charta der Vielfalt und hat sich einer kultursensiblen Altenpflege verschrieben. Ziel unserer Bemühungen ist, das jeder Mensch selbstbestimmt bis ins hohe Alter seinen eigenen Lebensentwurf leben kann, auch bei Pflegebedürftigkeit. Dies wollen wir auch nach außen zeigen. Daher ist das Zertifikat nur eine logische Folge.“

Welche Anforderungen muss eine Einrichtung erfüllen, damit sie den Regenbogenschlüssel erhält?

Nun, die Hauptanforderung ist, eine akzeptierende Haltung LSBTI Menschen gegenüber und eine annehmende Atmosphäre in der Einrichtung zu schaffen und zu haben. Egal ob geoutet oder nicht, müssen LSBTI Bewohner_innen, Gäste, aber auch Mitarbeiter_innen, Ihren Lebensentwurf selbstbestimmt leben können, ohne Angst vor Diskriminierung oder Ausgrenzung haben zu müssen.

Indizien hierfür können sein, dass die Organisation in Ihrer Unternehmenspolitik, philosophie, Leitbild oder Selbstverständnis eine Aussage zu Diversität macht und bestenfalls ein Diversitätskonzept hat. Hierin soll möglichst Antidiskriminierung und sexuelle Orientierung thematisiert sein.

Mitarbeiter_innen sollen zum Thema Diversität, zur Geschichte und zu Lebenswelten von LSBTI geschult und für die Bedürfnisse und Bedarfe sensibilisiert werden. Sind hierzu beispielsweise Aussagen im Einarbeitungskonzept getroffen?

Diversity / sexuelle Orientierung soll Thema, zum Beispiel in Besprechungen sein und es sollen Angebote speziell für LGBTI Bewohner_innen gemacht werden. Wie geht die Einrichtung mit Beschwerden, insbesondere zu Diskriminierung in der Einrichtung, um?

Externe, unabhängige Toleranzbeauftragte und Vertrauensperson für Vielfalt ermöglichen es einer Bewohnerin oder einem Bewohner ohne Angst über schlechte Erfahrungen oder Diskriminierung in der Einrichtung zu sprechen.

Das sind nur einige Punkte des Toleranz Scan. Die einzelnen Kriterien sind allerdings sehr individuell. Die Einrichtungen können ja auch nicht alle über einen Kamm geschoren werden. Kriterien sind relativ schnell zu klären, wie z. Bsp. das Leitbild oder ein Diskriminierungskonzept, Einarbeitungskonzept etc. Ob Diversity / LSBTI Thema in Besprechungen ist, kann anhand von Protokollen belegt werden usw.

Ob das Ganze auch gelebt wird, ist in Interviews mit Bewoher_innen und Mitarbeiter_innen, die bei jeder Zertifizierung durchgeführt werden, relativ schnell zu erfahren.

Ein Schwerpunkt jeder Zertifizierung ist es, Fortschritte zu erkennen und Verbesserungsvorschläge zu machen.“

Das Personal in den beiden Einrichtungen ist besonders tolerant und nicht diskriminierend. Sollte das nicht in jeder Pflegeeinrichtung selbstverständlich sein?

Ja, das ist es und ich denke, dass die meisten Mitarbeiter_innen in anderen Einrichtungen dies auch sind. Aber, tolerant und nicht diskriminierend allein reicht nicht. Wir legen bei unseren Mitarbeiter_innen besonderen Wert auf eine akzeptierende Haltung.

Die Mitarbeiter_innen müssen mit der Lebenssituation von älteren LSBTI vertraut sein, um bestimmte Verhaltensweisen verstehen zu können. Diese Menschen sind geprägt in einer Zeit, in der Homosexualität strafbar war. Sie mussten Angst haben vor Diskriminierung und Denunziation. Wäre ihre Homosexualität öffentlich geworden, hätte das die soziale chtung bedeutet. Daher waren viele verheiratet und hatten Kinder. Viele sind es heute noch! Mitarbeiter_innen muss diese Geschichte bekannt sein, um die Bedürfnisse von LSBTI Senioren wahrzunehmen und darauf eingehen zu können.“

Viele Pflegeeinrichtungen nehmen oft gar nicht zur Kenntnis, dass es LGBT Senioren in ihren Einrichtungen gibt. Beschäftigt man sich vielleicht zu wenig mit der Persönlichkeit jedes einzelnen Menschen? Was muss verbessert werden?

Schwule und Lesben haben im Laufe Ihrer Geschichte, besonders in der NS oder der Adenauer Zeit nicht nur positive Erfahrungen mit Organisationen und Institutionen gemacht. Viele sind dementsprechend vorsichtig. Herrscht in der Einrichtung keine offene und annehmende Atmosphäre, wird ein nicht geouteter LSBTI Senior sehr vorsichtig sein, sich zu outen.

Biographie arbeit wird zwar in den meisten Einrichtungen praktiziert, aber wenn ich keine Idee von der Kultur von Lesben und Schwulen habe, wie kann dann gezielt darauf eingegangen werden?

Findet die Biographiearbeit in der Gruppe statt, ist die Hürde noch viel höher. Wie reagieren die Anderen? Was denken sie dann über mich? Sind doch nachvollziehbare Fragen. Aber auch im Einzelgespräch sind die meisten sehr vorsichtig und es hängt viel vom Gegenüber ab, welche Haltung die Person hat. Und, wenn sich Bewohner_in äußert, was passiert mit den Informationen, wer wird informiert, wer kann es lesen? Und sind alle Beschäftigten dann so annehmend wie die Mitarbeiterin, die die Biographiearbeit macht?“

Braucht es spezielle Schulungen von Personal?

Ja, ganz sicher braucht es die. Ich hatte ja vorher auf die Bedeutung von Schulungen hingewiesen. Vielen ist die lebensgeschichtliche Prägung von LSBTI Senioren nicht bekannt. In einer Schweizer Studie unter Spitex Mitarbeiter_innen der Hochschule Luzern geben fast die Hälfte aller Befragten an, nicht über die Bedürfnisse und den Umgang mit Lesben und Schwulen informiert zu sein. In Deutschland würde die Befragung sicher keine anderen Ergebnisse bringen.

Diversität als solches ist zudem nicht nur eine Bereicherung, sie birgt auch viel Potential für Reibung und Konflikte. Auch hierauf müssen Mitarbeiter_innen vorbereitet werden und Handlungsalternativen und kompetenz lernen. Auch das eigene Verhalten muss reflektiert werden.“

Im Sozial und Rehazentrum West gibt es eine Wohngruppe speziell für Homosexuelle. Woran liegt es, dass die Senioren dort vielleicht lieber unter sich bleiben möchten?

Hier müssen LSBTI Senioren sich nicht ständig kontrollieren, ob das Auftreten, die Wortwahl oder Gestik sie verraten könnten. Sie können ganz spontan leben, das gibt emotionale Sicherheit.
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