ugg onlineshop A Boy and his Dog

Der Atomkrieg dauerte nur vier Minuten, hat aber die Erdrotation für einen Sekundenbruchteil zum Stillstand gebracht. Dieser minimaler Effekt hatte eine gigantische Wirkung, denn natürlich lassen sich die Wassermassen der Ozean nicht ebenfalls für einen Sekundenbruchteil stoppen. Folglich wurden die Küsten der Kontinente massiv mit Wasser und Schlamm überschwemmt. Immer wieder stoßen daher die Bewohner auf im getrockneten Schlamm versunkene Autowracks und unterirdische Gebäude. Allzu oft hausen dort unten jedoch die Jauler, radioaktiv verseuchte Unwesen, denen man lieber aus dem Weg geht.

Es gibt durchaus berlebende, allerdings sind sie so zerlumpt und heruntergekommen, dass nur noch die elementarsten Bedürfnisse wie Nahrung, Sex und Gewalt befriedigt werden können. So etwas wie eine Schule hat man hier schon lange nicht mehr gesehen. Aber und zu zieht mal ein zerlumpter Herrscher auf seinem von Menschen gezogenen Throngefährt durch die Schlammwüste, auf der Suche nach Konserven, die zur einzigen Währung geworden sind. Er wird von seinem Hofnarren und seinen Huren begleitet.

Ein junger Mann (Don Johnson) und sein Hund ziehen durch die Wüste und gehen den Gewaltakten aus dem Weg. Der Junge Vic ist mit einem Karabiner bewaffnet, der noch funktionstüchtig aussieht. Seltsamerweise redet er dauernd vor sich hin, so als spräche er mit seinem Hund Blood. So verlangt er unter anderem von Blood, dass dieser für ihn „Miezen“ aufspüren soll, denn er habe schon sechs Wochen lang keine mehr flachgelegt. Eine Art Sonargeräusch erklingt, sobald Blood seinen Spürsinn aussendet. Da, eine Frau!

Doch sie kommen zu spät. Sie wurde bereits von den Barbaren massakriert. Was für eine Verschwendung. Sie ziehen weiter, rauben einem der Wanderkönige die Konserven und ziehen zu einem Lager, in dem uralte Pornos gezeigt werden, darunter „Fistful of Rawhide“ aus dem Jahr 1970. Doch Vic wurde beobachtet, von Männern in Hausschuhen. Einer dieser Männer befiehlt, den „Speck in die Falle zu tun“.

Im Pornokino spürt Blood eine Frau auf. Vic hat Mühe, sie in ihrer Verkleidung auszumachen, doch dann folgt er ihr in das Labyrinth von Kammern unter der Erdoberfläche. Mit ihrer Nacktheit ist sie der ideale Köder für den ausgehungerten Jungen. Er verteidigt sie gegen den Spott des Hundes, dann gegen den Angriff der Banditen aus dem Lager. Als Blood den Jauler mimt, lassen die Banditen von ihnen ab. Doch das Mädchen, das sich Quilla June Holmes nennt und vom Untergrund schwärmt, ist fort.

Mit ihrer zurückgelassenen Zutrittskarte gelingt es Vic, den einzigen oberirdischen Zugang zum Reich der Unterirdischen zu öffnen. Kaum dort unten, in Topeka, angelangt, wird er gefangen genommen, abgeschrubbt, in Farmerkleidung gesteckt und dem „Komitee“ vorgeführt. Dieses Triumvirat herrscht ebenso tyrannisch wie jeder Wanderkönig über die wie Clowns weißgeschminkte Bevölkerung. Diese ergeht sich in den Zeremonien, die für die US Kleinstädte der fünfziger Jahre kennzeichnend waren: Paraden, A capella Chöre, Kirchengesang, Bibelunterricht, Bürgerwettbewerbe usw. Das Komitee verurteilt Vic nicht zum Tod „auf der Farm“, sondern zum Samenspenden. Lichtmangel hat die Männer unfruchtbar werden lassen. Vic bringt „frisches Blut“ in den Genpool.

Diesen Job als Deckhengst hatte er sich eigentlich lustiger vorgestellt. Stattdessen zapft ihm eine Maschine das Sperma direkt an der Quelle ab, während daneben ein junges Mädchen nach dem anderen von einem Pastor mit einem Spermienquantum nach dem anderen nicht etwa mit Vic selbst! verheiratet wird. Zum Glück befreit ihn Quilla June von seinem Martyrium. Allerdings hat auch sie ihre Pläne mit ihm, will sie doch die Tyrannei des Komitees durch ihre eigene Herrschaft ersetzen.

Die Rebellion Quillas, Vics und anderer Jungen droht das alte Regime hinwegzufegen. Doch die Dinge entwickeln sich nicht ganz so, wie Quilla es erwartet.

L. Q. Jones‘ Verfilmung der mehrfach u. a. mit dem Nebula Award ausgezeichneten Kurzgeschichte von Harlan Ellison ist einer der großen Klassiker des Science Fiction Films. Auch 25 Jahre nach Entstehen wird „A Boy and His Dog“ regelmäßig von den Fans unter die besten zehn Science Fiction Filme aller Zeiten gewählt. Er gewann 1976 einen der wichtigsten Preise des Genres, den Hugo Gernsback Award.

Dringende Warnung: Wer dem Eintrag im „Lexikon des Science Fiction Films“, geschrieben von Volker Hansen Ronald M. Hahn für den Heyne Verlag, vertraut, wird schwer getäuscht. Die Autoren können den Film nicht gesehen haben, denn in ihrer Beschreibung wimmelt es von sachlichen Fehlern, und folglich vertraue ich auch ihrem Urteil nicht.

Zugleich war der Film der Start von Don Johnsons („Miami Vice“) langer und wechselhafter Star Karriere und bietet mit dem mehrfachen Oscar Preisträger Jason Robards („Spiel mir das Lied vom Tod“, „Der Tag danach“) einen der besten und beliebtesten Charakterdarsteller des amerikanischen Kinos auf. Susan Benton, die von Don Johnson ausgewählt wurde, war schon 1979, drei Jahren vor den Dreharbeiten für „A Boy and his Dog“, in „Catch 22“ als Krankenschwester zu sehen, die sich um den Antihelden Yossarian kümmert.

Der Film schildert eine Endzeitvision, wie sie in den Siebzigerjahren, am Ende des Vietnamkrieges, in Mode kamen. Er lieferte die Inspiration für George Millers Mad Max Filme, aber auch für die Cyberpunk SF der achtziger Jahre. Ist es ein Horrorfilm oder eine schwarze Komödie? Für mich ist der Streifen beides, aber auch eine bissige Satire auf die amerikanische Mittelklasse.

Am Anfang sehen und vor allem hören wir die Konversation der zwei Hauptdarsteller Don Johnson und des Hundes Tiger, der mit großer Intelligenz den Hund Blood spielt. Tatsächlich ist Blood der väterliche Mentor und Freund für den aggressiven Jäger Vic, dem er ein wenig Bildung einbläut, so etwa die Namen aller Präsidenten bis Gerald Ford (1973 1976), dem Nachfolger Nixons. In Umkehrung „normaler“ Verhältnisse ist der Hund der Intellektuelle und der Mensch das Tier geworden. Während Blood auf der ganzen Welt der einzige Lehrer zu sein scheint, interessiert sich Vic nur für Mädchen und Nahrung. Mit einer Art Radarsinn verschafft Blood ihm beides. Die nutzenorientierte Beziehung dieser beiden berlebenskünstler ist die Grundlage nicht nur für ihr Leben, sondern auch für die Story des Films.

Als Quilla auftaucht, droht sie diese Beziehung gründlich zu zerstören. Von ihren Vorgesetzten ausgeschickt, lockt sie mit ihrer sexy Honigfalle den jungen Jäger und künftigen Samenspender in die Welt der Unterirdischen. Doch als sie um ihren Lohn, die Aufnahme ins Komitee, betrogen wird, verrät sie ihre Bosse und befreit Vic, um mit ihm zu rebellieren.

Das ehemalige Topeka versteht sich als Hort der früheren, untergegangenen Zivilisation. Alles hier ist auf faschistoide Weise geordnet und indoktriniert. Lautsprecherdurchsagen informieren sowohl über die verschwundenen Wunder der Welt wie auch über Kochrezepte. Die Menschen, seien es junge Mädchen, seien es ältere Farmer, laufen weißgeschminkt wie Clowns umher ein theatralischer Effekt zur berzeichnung ihrer kränklichen Blässe. Nur Außenstehenden fällt die Schminke als ungewöhnlich auf: Wenn alle so herumlaufen, gehört dies zur Norm.

Die überzeichnende Darstellung ist Element der bissigen Satire, deren Ziel schon bei Ellison, dem Autor der literarischen Vorlage, das kleinstädtische Mittelklasse Spießbürgertum der Fünfzigerjahre war. Genau die gleichen Rituale wie Paraden usw. werden hier vorgeführt. Bezeichnenderweise tagt das Komitee in der Kirche der Gemeinde. Es hat de facto Gott abgelöst und kann nach Belieben Todesurteile verhängen: „Auf die Farm“ bedeutet das Arbeiten in einem hochgefährlichen Trakt der unterirdischen Bezirke. Es kann jeden erwischen. Ad hoc Todesurteile vollstreckt ein als Farmer verkleideter Roboter mit dem Namen des Erzengels Michael.

In diesem Zerrbild einer faschistischen Tyrannei, die sich von der oberen Welt nur im Aussehen unterscheidet, kommt also Vic an, um der Fortpflanzung zu dienen. Jedes Lebewesen hat hier unten nur einen Zweck zu erfüllen, ist also Objekt (Samenspender, Samenempfängerin usw.) und somit kein vollgültiger Mensch. Wenn es je eine Hölle gab, so kann sie durchaus so aussehen.

Doch nicht dies ist der Stein des Anstoßes, sondern die allerletzte Szene. Quilla ist Vic an die Erdoberfläche gefolgt. Doch dort ist von Blood erst keine Spur zu entdecken. Das macht Vic traurig. Als er Blood hinter dem Ausstieg entdeckt, liegt dieser in den letzten Zügen: Er hatte keine Nahrung. Nun muss sich Vic zwischen Quilla, die eine Familie usw. gründen will, und seinem besten Freund entscheiden. Vic schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe und benutzt Quilla, um sich und seinen Hund damit zu füttern. Sie sagte ja, sie würde ihn lieben. Die letzte Dialogzeile ist die umstrittenste des Filmes. Blood sagt: „Sie [Quilla] besaß zwar ein brillantes Urteilsvermögen [indem ihre Wahl auf Vic fiel] , aber einen schlechten Geschmack [zumindest ihr Fleisch] .“

Diese Zeile stammt jedoch keineswegs von Harlan Ellison, sondern vom Drehbuchautor und Regisseur L. Q. Jones. Jones hatte Ellisons preisgekrönte Novelle völlig umgeschrieben, ihr andere Charakterisierungen, einen anderen Anfang und ein anderes Ende verpasst. Erstaunlicherweise lobte der pingelige und prozessfreudige Autor das Endergebnis, aber nicht die letzte Zeile. Als Jones wiederholt von streitbaren Frauen dafür kritisiert wurde, verteidigte er sich nicht etwa, sondern bedankte sich für die kostenlose Werbung.

Der Streifen wurde nämlich nicht von einem großen Studio produziert, sondern von Jones‘ kleiner Firma. Folglich gab es kaum Werbung, und bei einem unscheinbaren Titel wie „A Boy and his Dog“, der eher an Walt Disney denken lässt, bekommt das Publikum keinen Hinweis auf die Schrecken, die der Film bereithält. Eine moralische Einteilung in Träger von weißen (= die Guten) und schwarzen Hüten (= die Bösen) gibt es nicht. Der Zuschauer muss selbst entscheiden, was in einer Welt, in der alle Werte verloren gingen, gut oder böse ist. Vielleicht sind Freundschaft und Bildung, die sich Vic und Blood teilen, das höchste an Werten, die es hier geben kann. Sie steht sogar über Quillas egoistischer Liebe, die dafür geopfert wird.

Es handelt sich nicht um eine digital überarbeitete Version. Zunächst mutet die Qualität des Bildes daher ziemlich übel an, denn wiederholt finden sich Artefakte im grobkörnigen Bild. Doch im letzten Drittel stellte ich wiederholt fest, wie gut die Bildqualität trotz allem ist. Besonders in großflächigen Motiven, die im Breitwandformat (1:2,35) präsentiert werden, ist die Bildqualität entscheidend. Mit Erleichterung stellte ich fest, dass äußerst selten solche Artefakte den guten Eindruck störten. Ein Digital Remastering, an dem der Regisseur angeblich arbeitet, dürfte dieser Qualität eine dringend nötige Aktualisierung folgen lassen.

Der Ton der deutschen Tonspur liegt ebenso wie die englische nur in Monoqualität vor. Das ist wirklich schade, denn so wirkt die Szenerie so flach wie eine TV Serie. Hintergrundgeräusche wie Insekten, Wind, Sand etc. entfallen völlig, was die Szene steril wirken lässt. Das Digital Remastering würde hinsichtlich der Tonqualität den größten positiven Effekt erzielen.

1) Trivia Track (Kommentar als Untertitel)

Unter „Extras“ ist als erste Wahlmöglichkeit „Trivia Track“ angeboten. Dabei handelt es sich um interessante, sachdienliche Kommentare, die als Untertitel eingeblendet werden. Ihr Verfasser ist ein gewisser Morris Nowka, und er erweist sich als auf dem neuesten Stand, das heißt er greift Projekte des Jahres 2008 auf. Wer kann, sollte sich diese Kommentare zu Gemüte führen, denn sie enthalten zahlreiche interessante Hintergrundinformationen, die eine Diskussion des als „frauenfeindlich“ kritisierten Streifens in Gang setzen können. Außerdem ergänzt der Kommentar die biografischen Angaben aus der separaten Sektion (siehe Punkt 4).

Die Bildergalerie enthält drei Poster, ca. 25 Standbilder und schließlich sogar ein Poster des im Film gezeigten Pornos „Fistful of Rawhide“ von 1970 (schwarzweiß).
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